How the words of others shaped my life.

Wie startet man am Besten so einen Beitrag, in dem man wahrscheinlich das erste Mal in seinem Leben ehrlich zu sich selbst und vor allem anderen ist ? In dem es um Gefühle geht, die man all die Jahre versucht hat mit sich selbst auszumachen und immer wieder verdrängt hat. Ein Text voller Erfahrungen und Emotionen, die einen zu dem Menschen machen, der wir heute sind...

 

Ich möchte meine Geschichte mit Euch teilen um Mut und darauf aufmerksam machen, was allein Worte mit jemanden anrichten können. 



Bereits in meiner Kindheit habe ich mich 'anders' gefühlt, viel mehr nicht dazugehörig auf Grund meines Aussehens. Betrachte ich nun im Nachhinein meine alten Kinderfotos frage ich mich 'Wieso?'. Ich war ein Kind, welches eine wundervolle Kindheit durchleben durfte, welches täglich mit Liebe zugeschüttet wurde und wusste, wo es hingehört.Noch nie war ich in meinem Leben vollkommen zufrieden mit mir selbst. Verletzlich für Andere auf Grund meiner Unzufriedenheit, doch meine eigentliche Geschichte beginnt mit dem Schulwechsel auf eine weiterführenden Schule. 

Eine Schule, die bereits meine Geschwister besuchten und viele weitere aus dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin.Von der vierten bis hin zur zehnten Klasse war ich übergewichtig. Ein Mädchen, was nicht dem Idealbild der Gesellschaft entspricht, niemals das unentdeckte Model aus dem kleinen Dorf sein würde. Ein Mädchen, was angefangen hat sich darauf zu reduzieren, was andere Leute über sie gesagt haben. 
Alles fing an mit Tuscheln hinter dem Rücken an, über lachhafte Aussagen auf Kosten meinerseits bis hin zu Worten, die anfingen mein Leben zu formen, viel mehr mich zu formen. 
Sprüche wie 'Ey du Tomate.', 'Roll doch hinterher' oder 'Die platzt gleich.', fingen an mein Alltag zu werden.
Nicht nur Menschen aus meiner Klasse belächelten mich tagtäglich, sondern selbst die Freunde meiner Geschwister.  Menschen, die bereits damals in einem Alter waren, wo man wissen sollte, was allein Worte anrichten. Tag für Tag, Monat für Monat und Jahr für Jahr vergingen, während ich immer wieder mit meinem Übergewicht konfrontiert wurde. Reichte es nicht, sich selbst nicht akzeptieren zu können? Reichte es nicht, dass man nicht in den Spiegel gucken konnte ohne sich selbst zu hassen? 
Dies ist wahrscheinlich das erste Mal in meinem Leben wo ich mein Schweigen breche und alle Karten bezüglich meiner Vergangenheit auf den Tisch lege. Karten, die ich selbst Jahr für Jahr gemischt und niemals aufgedeckt habe. 
Es hat viele Jahre gedauert, bis ich verstehen konnte, weshalb niemand etwas gesagt hat. Niemand den Mut hatte sich gegen das Verhalten anderer zu stellen. Aber viel mehr prägt mich die Frage wie es mir gelungen war, dass Menschen, die mich liebten, keinen blassen Schimmer davon hatten, was sich tagtäglich hinter den Schulmauern abspielte und in mir vorging.
Langsam aber sicher fing es an, dass Mobbing für mich zur Normalität wurde. Ich fing an mich so zu sehen, wie es mir all die Jahre eingetrichtert wurde. 
Während ich anfing gegen die Pfunde zu kämpfen, verlor ich mich selbst in einer Welt die kaputt und verloren war. Ging ich diesen Weg für mich oder vielmehr für Andere? War ich wirklich so wertlos, wie all die Menschen mit mir umgingen? 

Immer wieder passierte etwas Neues, was mir den Boden unter den Füßen wegriss. Mir begegneten Menschen, die anfingen sich gegen mich aufzustellen, aus der Angst heraus selbst zur Zielscheibe werden zu können.

Oftmals fiel mir der Weg ins Klassenzimmer schwer...
In der ersten Reihe zu sitzen? Für mich unvorstellbar. & Warum?
- Weil all die Menschen ohne hin über mich hinter meinem Rücken geredet haben. Weil ich es nicht  
    ertragen konnte Menschen wortwörtlich hinter meinem Rücken sitzen zu haben. 
Sportunterricht?
- Eine einzige Qual. Nicht nur, dass es mir körperlich nicht leicht viel die Bestzeit beim 100m Lauf zu
   erreichen. Nein, das Schlimmste war das Lästern und Lachen anderer. Ich meine wie soll man sich
   bemühen und sich sportlich beteiligen, wenn man Angst davor hat einem Ball hinterher zu laufen, weil
   man weiß, dass eh nur Sprüche außerhalb kommen? Wie soll man Wettkämpfe gewinnen, wenn man
   sich ohnehin dafür schämt vor anderen Sport zu machen? 

All das sind nur Kleinigkeiten einer endlosen Geschichte. Eine Geschichte, die bis heute nicht geendet hat und auch niemals enden wird. 
Warum sie nicht endet? Weil all die Geschehnisse mein Leben geprägt haben. Die Angst davor nicht gut genug zu sein oder die Unsicherheit, mit der man über die Straßen gehen muss, weil man sich in der eigenen Haut nicht wohl fühlt, begleiten mich bis zum heutigen Tag.

Kampf gegen die Pfunde

Als ich das erste Mal anfing an meinem Körper zu arbeiten ging alles ziemlich zügig. Knappe 6 Monate brauchte ich, bis ich ein Normalgewicht erreicht hatte. Ich rede nicht gerne über diese Zeit, weil ich nicht stolz darauf bin, wie ich es geschafft habe die überschüssigen Kilos zu verlieren.
Ernährung?
Fehlanzeige.

Mein Tag startete ohne Frühstück, einem Mittagessen, was einzig und allein aus Gemüse bestand und endete mit Magerquark, ohne jeglichen Zusätze.

Sport?
Wahnsinn.
Ich ging jeden Tag sieben Kilometer laufen, weil ich Angst davor hatte, dass der Salat vom Mittag ansetzen könnte. 
Nachdem meinem Körper sämtliche Nährstoffe fehlten, spiegelte sich dies sowohl in meinem Wohlbefinden, als auch Verhalten wieder. Ich wurde unglücklich, unzufriedener und wollte mehr. 
Ich wurde besessen von dem Gedanken an Gewicht zu verlieren, verbot mir alles und sagte zu meinen Freunden, dass sie mich als 'fett' betiteln sollen, da dies mein 'Ansporn' sei. 
Das, was andere all die Jahre versucht hatten war ihnen gelungen. Eine Person so zu manipulieren, dass sie angefangen hat nur noch sein Äußeres zu sehen, anstatt seine Persönlichkeit. 

 

lost myself

All die Träume, die ich jemals hatte waren von heute auf morgen nichtmehr relevant. Mein einziger Traum war ein Körper eines Victoria Secret Model. Die wichtigen Werte des Lebens wie Gesundheit, Glück und Liebe wurden ausgetauscht durch die Suche nach Anerkennung. Ich verlor mich selbst in einer Welt, in der es einzig und allein Oberflächlichkeiten zählten. Was war aus dem Menschen geworden, der für andere immer da war? Der Mensch, der gute Laune versprüht hatte und nie sein Lachen verloren hatte? 
Diesen Menschen gab es nicht mehr. Stattdessen habe ich eine Fassade aufgebaut, die Kälte ausstrahlte. Ich fing an auf andere arrogant zu wirken, weil ich Angst hatte mich jemanden anzuvertrauen. Weil ich mich allein fühlte in einer Welt voller Lügen, Gerüchte und Lästereien.
Mein wahres Ich kannten die wenigsten... Bis ich anfing mir selbst fremd zu werden. 

Wer bin ich? Was will ich? Wo will ich hin? & vor allem: Wem kann ich überhaupt vertrauen?
Fragen, mit denen ich bis heute konfrontiert werde. Aus Vertrauen wurde vielmehr Misstrauen, aus Optimismus wurde Pessimismus und aus Herzlichkeit wurde Kälte. 

message from heart

Viele Menschen merken nicht, was sie jemanden antun.
Menschen merken nicht, was in dem Kopf einer Person vorgeht.
Viele Menschen wissen nicht, wann genug ist. & Viele Menschen sagen nicht, wenn das Verhalten eines anderen falsch ist.
Menschen gucken weg, weil sie Angst haben selbst zur Zielscheibe zu werden.
Menschen fangen an sich anzupassen um dazuzugehören.
Menschen verstellen sich um das Vertrauen anderer zu brechen.
Menschen machen sich gegenseitig kaputt. 

Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es mit einer einzigen Person angefangen hat und anschließend mit einer Gruppe endete. Es endete schlussendlich, als ich mein Abitur absolviert hatte und raus aus meiner Heimat bin. Raus, ans andere Ende von Deutschland um glücklich zu werden. Hätte sich damals diese Gruppe von Menschen gegen die Einzelperson gestellt, anstatt sich mit ihr zu verbünden, wäre vieles einfacher gewesen und niemals soweit gekommen. 
Es geht im Leben nicht darum wie wir aussehen. Es geht nicht darum wieviele Freunde wir haben. Es geht nicht darum, ob wir einen materiellen Wohlstand besitzen.

Nein, vielmehr geht es um Gesundheit und Liebe.
DAS sind die Dinge, ohne die das Leben garnicht möglich wäre.

Es ist mir ein Rätsel, wieso es auf dieser Welt Hass und Verspottung gibt und ich denke, dass mir niemand eine endgültige Antwort darauf geben kann. Ich persönlich habe viel aus meiner Vergangenheit mitgenommen und kann sagen, dass mich dieser schwere Weg stärker gemacht hat. Egal wie sehr mich die Dinge verletzt haben, sie haben mir gezeigt Wer ich wirklich bin und Wer ich niemals sein möchte.
Ohne meine Familie, die mir täglich die Liebe geschenkt hat, die ich in der Außenwelt selten widerfahren habe, wäre ich wahrscheinlich an allem zerbrochen. 

Don’t let the noise of others’ opinions drown out your own inner voice.

Völlig gleich, ob ihr selbst betroffen seid, oder andere.. Schaut nicht einfach weg. Lasst es nicht zu, dass das Leben anderer durch Mobbing ruiniert wird.
Habt den Mut Euch auf die richtige Seite zu schlagen und handelt zusammen, anstatt alleine. 
Vergesst niemals, wer ihr selbst seid und bleibt Euch treu in allem, was ihr tut. 
Auch wenn ein Weg noch so aussichtslos erscheint, hört niemals auf zu kämpfen und kämpft für Euch selbst und nicht für andere. ''Nie genug, aber auch nie zu große Ziele.[...] Wir hören kein Nein, kein das geht nicht, kein der Weg ist zu weit.''
Es hat Jahre gedauert, bis ich anfangen konnte mich selbst zu akzeptieren, ohne dabei in Selbsthass zu versinken und ich wünsche niemanden auf dieser Welt das gleiche durchmachen zu müssen. Gebt aufeinander Acht und seid füreinander da.

 

Das ist meine Geschichte. Eine Geschichte, die letztendlich gut ausgegangen ist. Dennoch gibt es da draußen zahlreiche Geschichten, die ähnlich sind wie meine, die nicht gut ausgehen. Geschichten, die kein Ende haben, da sie das Ende sind. 

 



Kommentar schreiben

Kommentare: 4
  • #1

    Marie (Montag, 04 Dezember 2017 09:49)

    Was für eine ehrliche und tolle Geschichte. Ich habe zwei kleine Mädchen und ich merke schon jetzt, dass der Druck um das Aussehen und um die Sachen wächst. Natürlich hoffe ich, dass ich ihnen den Rücken stärken kann und sie so selbstbewusst sind bzw. werden, dass sie mit den möglichen kommenden Kommentaren umgehen können. Alles Liebe dir und danke, dass du deine Geschichte mit uns geteilt hast. Alles Liebe und viele Grüße Marie

  • #2

    Michelle Früh (Montag, 04 Dezember 2017 13:28)

    Ein richtig toller Post und ich kenne das nur zu gut.
    Ich habe heute noch Probleme mich so anzunehmen wie ich bin. Im großen und ganze geht es aber an manchen Tagen fühle ich wieder diese Wut/Hass.
    Es ist nicht einfach, wenn man mit Mobbing zu tun hat.
    Ich fing dadurch damals mit dem Sport an. Was ja gut ist. Möchte es nicht mehr missen. Allerdings hatte ich auch Probleme mit dem Essverhalten (Wollte nichts mehr essen - Finger in den Hals...) Bis ich zusammengebrochen bin.
    Deshalb schaue ich bei so etwas nicht weg
    Liebe Grüße Michelle von beautifulfairy

  • #3

    Andrea (Montag, 04 Dezember 2017 17:17)

    Ein super schöner Bericht! Ich habe als Brillenträgerin leider ganz ähnliche Dinge erlebt.

  • #4

    Saskia-Katharina Most (Donnerstag, 07 Dezember 2017 13:46)

    Ein sehr schöner Beitrag, der hoffentlich vielen Mut macht. Danke für deine offenen und ehrlichen Worte.

    Liebe Grüße,
    Saskia-Katharina